Ausstellung im Kaufunger Rathaus

Aus-dem-Rahmen

Und auch 2015 gab es wieder eine Ausstellung von mir. Ab dem 02. Mai konnten meine Arbeiten im Kaufunger Rathaus angesehen werden.

Dr. Peter Hallberg alias PiTTo hielt eine tolle Laudatio, vielen Dank dafür!

 

 

Laudatio

Liebe Gäste,

ist es eigentlich eine Schweinerei, wenn Gudrun Raeder hier im Kaufunger Rathaus ihre Schweinebilder ausstellt?
Ist das Schweinszeug?

Was ist eigentlich eine „Schweinerei“, und warum sprechen wir davon „Schwein gehabt“ zu haben, wenn wir meinen, wir hätten Glück gehabt?

Was ist eigentlich nach unserem Sprachgebrauch eine „faule Sau“ ?
Und wieso sprechen wir von dieser Haltung nur in der weiblichen Form und nicht auch vom „faulen Eber“, was ja bekanntlich die männliche Form wäre?

Man kann das fortsetzen und fragen:
Was ist eigentlich ein „Sauhaufen“, und was ist  eine „Ferkelei“?

Gudrun Raeder führt uns das ganze Spektrum dieser zutiefst philosophischen Fragen mit spitzer Feder und feiner Ironie vor Augen.

Die Kaufunger Künstlerin hat sich klar entschieden.
Sie weiß genau, warum sie das Schwein, in seiner männlichen und weiblichen Form, zum Gegenstand ihrer bildhaften Betrachtungen macht.

Gudrun Raeder hat eine grundsolide Lehre als technische Zeichnerin absolviert, und dabei wie sie mir sagte, auch monatelang Normschrift geübt! Und da kommt, wenn sie davon berichtet, auch gleich die richtige Diktion ins Spiel: Sie sagt, mit der Normschrift habe sie sich auch gleich die eigene Schrift „versaut“!

Ihr künstlerisches Werk stellt subtil und doch direkt die gesellschaftlichen Normen in Frage.
Ihre Motive schöpft sie meist aus dem Beziehungsleben:
Männer, Frauen und Kinder ausnahmslos in der schweinischen Verkleidung.

Sie sind eingeladen, liebe Gäste, beim Betrachten genau hinzuschauen, fast hätte ich gesagt hinzuhören, denn es gibt  neben den Sprechblasen immer auch die im jeweiligen Werk enthaltene Aussage der Künstlerin.
Gudrun Raeder interpretiert die kleinen und feinen Alltagssituationen in unserem Beziehungsleben.
Sie teilt in ihren Bildern alles mit, was ihr auf der Seele liegt.
Und wie sie gesteht: Je älter sie wird, desto direkter wird sie.
Gut so!

Gewiss dezent, aber dabei deutlich hintersinnig steckt überall die sehr menschliche Frage, ob wir nicht etwa  alle, so wie wir uns geben, Schweine sind.
Achten Sie mal darauf, wie die Eber und die Säue dabei wegkommen! Es ist schon ein sehr spezifisches Männerbild und ein Frauenbild, welche das Menschenbild der Gudrun Raeder prägen!

Die Künstlerin nutzt die Stilmittel des Cartoons.
Sie hält uns einen Spiegel vor, indem sie uns, ihre Mitmenschen, zum Nachdenken über die Geschlechterbeziehung im Alltag anregt.
Wir sollen uns selbst in den Zeichnungen entdecken!
Die den Schweinen zugeschriebenen Eigenschaften, Haltungen und unreflektierten Gewohnheiten sollen wir schmunzelnd in unseren Mitmenschen erkennen und schließlich, wenn es gut läuft, auch bei uns selbst hinterfragen.

Da sagt etwa der von der Arbeit heimkehrende Eber zur Sau, die eine Küchenschürze trägt:
„Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“
Dabei könnte ein klarer Blick auf die dargestellte Situation ihm die Antwort geben.
Sie jedoch geht in ihrer Antwort in die Ironie und entgegnet:
„Auf dem Sofa liegen, Prosecco trinken und zugucken, wie deine gebügelten Hemden in den Schrank hopsen!“

Das leicht Bissige ist ihr Ding. Sie stellt Konventionen infrage, hat sich längst vom überkommenen Rollenbild emanzipiert.
Gudrun Raeders feinsinnige Methode liegt in der gelenkten Betrachtung, Ihre Kunst in der wohl dosierten, satirischen Übertreibung.
Das unterscheidet sie, um einen Bezug zur aktuellen öffentlichen Diskussion herzustellen, von der gewollt beleidigenden Art eines Jan Böhmermann.

Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden.

Gudrun Raeder ist gern ein wenig boshaft, wie sie gesteht, möchte aber keinen verletzen. Dummes, Verletzendes, vermeidet sie bewusst. Eine Aussage etwa zu Religiösem, z.B. dem Islam, würde sie nie zur Darstellung bringen.
„Das ist nicht lustig!“ sagt sie.

Seit Gudrun Raeder selbst auch schwere Zeiten in ihrem Leben hatte, konnte sie ihren Humor zurückgewinnen und hat sich zum Ziel gesetzt, beim Humor zu bleiben.
Alles was sie zeichnet, kommt wirklich aus ihr selbst.
Ihr Ziel ist es, aus tiefstem Herzen fröhlich zu sein mit netten Leuten Spaß zu haben, gemeinsam sich mit ihnen zu freuen und zu lachen über das, was man an den schweinischen Allegorien aus dem eigenen Leben wiedererkennt.

Den Humor hat sie von ihrem Vater, der aus Ostpreußen kam und 92 Jahre alt wurde, und der sich nie beklagt habe. Er hat „immer ein lachendes Auge gehabt,“ erinnert sie sich gern. Vielleicht, so könnten wir annehmen, ist der Humor ja ein wichtiger Bestandteil auf dem Wege, ein hohes Lebensalter zu erreichen?

Gudrun Raeders Gesamtkunstwerk ist somit voller Menschlichkeit. Ihre Lebensphilosophie ist die einer klugen Analystin, die niemandem zu nahe tritt, aber dabei dennoch die Anleitung zur Selbsterkenntnis liefert.
Alle ihre Schweinchen sind deshalb so sympathisch, weil sie so menschlich sind!

Davon zeugen auch Gudrun Raeders Gedichte.

Mit ihrer, wie ich meine, versöhnlichen Liebeserklärung an SIE, so der Titel eines dieser Gedichte, möchte ich hier meine Betrachtung dieses sehr beachtlichen Gesamtkunstwerkes beschließen.

 

Da sagt er, der Eber, zu seiner Sau:

Als ich dich erstmals hab‘ gesehen
(Du standst am Trog mit Eber Fritz),
da war’s sofort um mich geschehen;
die Liebe traf mich wie ein Blitz.

Jetzt bin ich Wachs in deinen Händen,
Ich glühe voller Leidenschaft.
Du weckst Orkane in den Lenden
und steigerst meine Manneskraft.

Du meine Queen, du meine Sonne!
Du mein herzallerliebstes Kind!
Du bist mein Glück und meine Wonne;
ich lieb‘ dich bis wir Würste sind.

 

Vielen Dank, liebe Gudrun Raeder, für diese wunderbare Ausstellung!